Ausstellung zum Thema Tierversuche

Es ist schon länger in Planung gewesen und nun wird es konkret. Die Arbeitsgruppe Münster des Vereins Ärzte gegen Tierversuche e.V. präsentiert vom 12.04.2026 bis 03.05.2026 eine Ausstellung zum Thema Tierversuche in der B-Side, Am Mittelhafen 42, 48155 Münster.

Diese Ausstellung könnt ihr im Rahmen der Öffnungszeiten der B-Side B-Side Münster | Ein Haus, ein Kollektiv und eine Idee besuchen.

Zum Thema der Ausstellung:

Was sind Tierversuche – und warum sind sie problematisch?

Tierversuche sind Eingriffe, die Tieren Schmerzen, Leiden oder Tod zufügen. Millionen Tiere werden jedes Jahr in Deutschland in Laboren getötet. Allein 2023 waren es über 3,5 Millionen Individuen – Mäuse, Ratten, Kaninchen, Hunde, Affen und viele andere. Tierversuche werden nicht nur aus Tradition durchgeführt, sondern sind in vielen Fällen gesetzlich vorgeschrieben – etwa bei der Zulassung neuer Medikamente oder Chemikalien. Diese Vorgaben stammen oft noch aus den 1940er-Jahren und wurden nie kritisch auf ihre Aussagekraft für Mensch und Umwelt geprüft.

Tierversuche verursachen enormes Leid und liefern keine verlässlichen Vorhersagen für den Menschen:

Andere Tiere unterscheiden sich in relevanten Aspekten stark von Menschen, z. B. hinsichtlich Körperbau, Immun- und Hormonsystem, Lebensdauer und Stoffwechsel. Daher liefern Tierversuche keine übertragbaren Erkenntnisse und führen nicht zu dringend benötigten Durchbrüchen bei Therapien gegen menschliche Krankheiten wie Krebs oder Alzheimer.

Über 90 % der Medikamente, die im Tierversuch getestet wurden, versagen in klinischen Studien mit Menschen, weil sie nicht wirken oder starke Nebenwirkungen hervorrufen.

Substanzen, die im Tier gefährlich wirken, könnten beim Menschen nützlich sein – und umgekehrt.

Tierversuche sind sowohl ein ethisches, als auch ein wissenschaftliches Problem.

Münster gilt als eine der fortschrittlichsten in Deutschland: jung, grün, nachhaltig. Unsere Stadt wirbt mit Klimaneutralität, Umweltbewusstsein und hoher Lebensqualität. Doch diese positive Selbstdarstellung hat eine verdrängte Kehrseite: Münster ist eine Hochburg der Tierversuche. Hier leiden und sterben unzählige Individuen in Laboren – für fragwürdige Forschung mit Ergebnissen, die häufig nutzlos sind.

Besonders hinweisen möchten wir auf die Vorträge zum Thema Tierversuche die an folgenden Terminen stattfinden werden und die kostenfrei besucht werden können.

Sonntag, 12.04.2026 (ca. 14:15 Uhr)
Referentin: Dipl.-Biol. Julia Radzwill, Wissenschaftliche Referentin bei Ärzte gegen Tierversuche e.V.
Thema: Tierversuche und tierversuchsfreie Methoden
Tierversuche sind für viele Menschen vor allem eine ethische Frage – doch neben moralischen Aspekten gibt es auch zahlreiche wissenschaftliche Gründe, warum Tierversuche nicht aussagekräftig sind und zu Fehlinterpretationen führen. Dieser Vortrag wirft daher einen Blick auf Zahlen, Fakten und Hintergründe. Zu Beginn werden grundlegende Fragen geklärt: Was genau sind Tierversuche? In welchen Bereichen werden sie heute noch durchgeführt? Anhand konkreter Beispiele wird gezeigt, warum Ergebnisse aus Tierversuchen nicht prospektiv auf den Menschen übertragbar sind und welche Konsequenzen das für Forschung, Medizin und Patientensicherheit haben kann. Im zweiten Teil des Vortrags geht es um die entscheidende Frage: Welche anderen – und besseren – Methoden gibt es? Vorgestellt werden moderne, tierversuchsfreie Technologien, die menschliche Biologie besser abbilden, bereits heute eingesetzt werden und zunehmend auch für regulatorische Sicherheitsprüfungen anerkannt sind.

Referent: Marc Pierschel, Autor und Filmemacher
Thema: Marc Pierschel stellt seinen neuen Film FUTURE SCIENCE vor: Ein Porträt über die Pionier:innen der Wissenschaft, deren Innovationen das Potenzial haben, Tierversuche endgültig überflüssig zu machen. (Dauer: ca. 10 Minuten; der Film hat am 03.05.2026 seine Münsterpremiere im Cinema Münster!)

Mittwoch, 29.04.2026 (ca. 18:00 Uhr)
Referentin: Dr. Simone Horstmann, Philosophin und Theologin
Thema: Was bedeutet es, Tierleid zu sehen? Über Tierethik und moralische Wahrnehmung
Der Streit um Tierexperimente ist seit je her ein Streit um das Sehen. Häufig sind es konkrete Bilder und Darstellungen, die Menschen veranlassen, Tierexperimente als grausam zu bewerten. Für Tierexperimentatoren ist dies ein Ärgernis. Sie pochen darauf, Darstellung und Wertung zu trennen: Bilder würden überwältigen, sie seien als Basis für ein Urteil ungeeignet. Die Erfahrung der Überwältigung wird von ihnen meist einseitig mit dem Medium „Bild“ in Verbindung gebracht. Die Möglichkeit, dass der Gegenstand des Bildes selbst überwältigend ist, scheint damit schnell vom Tisch, aber wohl zu schnell: Immerhin gibt das Sehen Auskunft über unsere Verstricktheit mit der Welt und unsere moralische Anteilnahme an der Wirklichkeit anderer Wesen. Einer Wahrnehmung, die lediglich Daten und Fakten zu registrieren hätte, würde demnach etwas Entscheidendes entgehen, und nicht nur das: Eine Wahrnehmung, wie Experimentatoren sie bevorzugen, liefe auf die grundsätzliche Infragestellung von Moral als solcher hinaus.

Kommt gerne, um euch zu informieren und das Thema Tierversuche, die Folgen und die Alternativen mehr in den Fokus zu rücken.

Das Nestwerk hat sich bereits in den letzten Jahren bei Mahnwachen und Demonstrationen gegen Tierversuche engagiert und war Teil des Bündnisses gegen Tierversuche, dass sich leider inzwischen aufgelöst hat. Um das Thema weiter präsent zu halten, haben wir zusammen mit der Arbeitsgruppe Münster von Ärzte gegen Tierversuche e.V. und Roots of Compassion einen Flyer zum Thema Tierversuche in Münster veröffentlicht. Zusammen für die Tiere.