Tagebuch einer Vergesellschaftung

Ausgangslage:
Ich halte schon seit ca. 10 Jahren Rennmäuse. Dadurch war ich allein altersbedingt schon gezwungen ein paar Vergesellschaftungen durchzuführen. Dabei gibt es natürlich verschiedenes zu beachten. Daher werde ich mich nach dem hier genannten Schema einmal durchhangeln. Vorab muss noch gesagt werden, dass meine Beschreibung der Vergesellschaftung eine Empfehlung ist, die nicht eins  zu eins befolgt werden muss. Es gibt natürlich auch andere Möglichkeiten Rennmäuse erfolgreich zu vergesellschaften. Ich selbst habe mit dieser Methode jedoch ausschließlich positive Erfahrungen gemacht:

Zu 1: Die verstorbene Maus war ein kastrierter Bock und ca. 4 Jahre alt. Insofern aus Rennmaussicht also schon recht alt. Man konnte den langsamen altersbedingten Verfall bei ihm regelrecht beobachten. Er fraß weniger und bewegte sich später auch wesentlich weniger. Dadurch erfolgte auch eine Gewichtsabnahme. Nach einem  Besuch beim Tierarzt wurden verschiedene Möglichkeiten der Behandlung diskutiert. Der Verfall war aber schon so weit fortgeschritten, dass eine Behandlung nur wenige Tage des Weiterlebens ermöglicht hätte. Ich habe daher beschlossen das Tier zu erlösen.

Zu 2: Meine verbliebene Maus ist ebenfalls ein unkastrierter Bock mit dem Namen Kalle und ca. 18 Monate alt. Nach Einhaltung einer Quarantänezeit bin ich auf die Suche nach einem oder auch mehreren Partnern für Kalle gegangen. Dabei lege ich Wert darauf, möglichst junge Tiere mit älteren Tieren zu vergesellschaften, da diese sich schneller anpassen und das ältere Tier i.d.R. als ranghöher akzeptieren. Das Tier bzw. die Tiere sollte/n idealerweise 7-10 Wochen alt sein. Jünger bitte nicht, da es bis zu diesem Zeitpunkt noch bei der Mutter bleiben sollte.

Zu 3: Ich persönlich habe bisher immer Böckchengruppen bis maximal 3 Tieren zusammen gehalten. Das ist einfacher und erleichtert die Vergesellschaftung ungemein. In diesem Fall habe ich an sich zwei jüngere Böcke ab 7 Wochen gesucht, habe aber auf die Schnelle nur einen Bock finden können. Leider war die „Beschaffung“ über ein Tierheim in der Region in diesem Fall nicht möglich. Daher habe ich nach passenden Kleinanzeigen (also – Vermehrungsunfällen) geschaut, um wenigstens keinen sinnlosen Vermehrer zu unterstützen. Danach habe ich das Tier abgeholt, habe mich davon überzeugt, dass es sich wirklich um ein Männchen handelt und dieses gesund ist. Wenn man hier unsicher ist, sollte man auf jeden Fall einen Tierarzt aufsuchen um schwere Erkrankungen oder auch ungewollten Nachwuchs zu vermeiden. Beides war hier der Fall und somit konnte die Vergesellschaftung beginnen. Welcome Heino – „get ready to rumble“.

Zu 4: Ich beginne grundsätzlich mit der Trenngittermethode in einem 100×40 cm großen Aquarium. Trenngitter in die Mitte rein, Rückzugsmöglichkeiten geschaffen, Futter und Wassernapf dazu gefügt – Tiere langsam in jeweils in einen Teil des Geheges gesetzt – passende Abdeckung drauf – und schon kann es losgehen.

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Hier das 100 x 40 cm Aquarium, das zur Vergesellschaftung genutzt wurde. Oben die sogenannte Panikbox.

Zu 5: Beide Tiere reagierten erst recht verhalten am Gitter aufeinander und beschnupperten sich intensiv. Heino war allerdings nach ca. 5 Minuten bereits der Auffassung er müsste Kalle mal besuchen. Da ist ein Deckel auf dem Gehege schon echt hilfreich, um ein mögliches Massaker zu verhindern. Die nächsten Tage verliefen ähnlich. Ich hatte aber zu keiner Zeit das Gefühl, dass sich die Beiden nicht mögen könnten. Von kleineren Zickereien am Gitter abgesehen passierte nichts Wildes. Im Gegenteil. Beide Tiere waren neugierig und aneinander interessiert.

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Erste Kontakte am Gitter (Heino linke – Kalle rechts)

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Direkt nach dem „Seitenwechsel“

Daher war es nach einer Woche mit täglichem Gehegewechseln ohne Probleme an der Zeit den nächsten Schritt zu wagen. Beide Tiere wurden dazu in der Badewanne geparkt und konnten sich so miteinander beschäftigen. Ich habe in diesem Fall grundsätzlich auf Häuschen etc. verzichtet, damit die Tiere sich in jedem Fall miteinander konfrontieren müssen. Das ist m. E. auch aufgrund der kurzen Verweildauer (ca. 1 Stunde) vertretbar.

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Erster direkter Kontakt in der Wanne.

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Na – wer bist Du denn? Erste Anbahnung von Kalle in der Wanne.

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Oder mal umgekehrt. Heino putzt  Kalle.

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…und wieder umgekehrt. Das sieht gut aus. 🙂

Auch hier gab es außer kleinen Rangeleien mit gegenseitigem Boxen und Besteigeversuchen keine Probleme. Kalle ist Chef und Heino fügt sich. Nachdem sich die Beiden also ca. 1 Stunde zusammen in der Wanne aufgehalten hatten, habe ich sie in eine kleine, vorher mit gebrauchter Einstreu der Beiden und nebst Futter und Häuschen präparierten Transportbox gesetzt. Es handelt sich dabei um die sogenannte Panikboxmethode, die weiter oben beschrieben wird.

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Panikbox vor dem Einsatz.

In der Box gab es auch ein paar Rangeleien mit gegenseitigem boxen und viel gefiepe – aber die Tiere waren sich doch schnell einig, sich zusammen tun zu wollen (Stress schweißt zusammen) und somit kehrte nach einer Zeit (ca. 30 Minuten) auch etwas Ruhe ein. Ich habe die Tiere dann noch über die Nacht in der Panikbox gelassen und diese neben mein Bett gestellt, um im Fall der Fälle schnell eingreifen zu können. Am nächsten Morgen konnten die Beiden dann bereits zusammen in einen Teil des Geheges einziehen.

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Zusammen im Gehege.

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…und im Sandbad.

Hierzu habe ich das Vergesellschaftungsgehege mit dem Trenngitter wieder halbiert und somit den Platz im Gegensatz zur Box um ca. das doppelte vergrößert. Danach wurde das Gehege dann alle 1-2 Tage um ca. 10 cm vergrößert bis Kalle und Heino das ganze Gehege zu Verfügung hatten. Nachdem die Tiere sich auch hier aneinander gewöhnt hatten und zusammengekuschelt geschlafen haben, lag nun der Umzug in das richtige Gehege an. Hierzu habe ich das Gehege noch einmal komplett gereinigt und neu eingerichtet, so dass Kalle keine Revieransprüche mehr stellen würde. Seit dieser Zeit leben die Beiden nun glücklich und zufrieden zusammen – Mission completed. 🙂

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Das endgültige Gehege.

von Dirk Heidotting

Posted by
Sarah

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