Aufklärung Tierversuche

Münster – eine Hochburg der Tierversuche

Lebenswerte Stadt – nicht für alle

Münster gilt als eine der fortschrittlichsten in Deutschland: jung, grün, nachhaltig. Unsere Stadt wirbt mit Klimaneutralität, Umweltbewusstsein und hoher Lebensqualität. Doch diese positive Selbstdarstellung hat eine verdrängte Kehrseite: Münster ist eine Hochburg der Tierversuche. Hier leiden und sterben unzählige Individuen in Laboren – für fragwürdige Forschung mit Ergebnissen, die häufig nutzlos sind.

Was sind Tierversuche – und warum sind sie problematisch?

Tierversuche sind Eingriffe, die Tieren Schmerzen, Leiden oder Tod zufügen. Millionen Tiere werden jedes Jahr in Deutschland in Laboren getötet. Allein 2023 waren es über 3,5 Millionen Individuen – Mäuse, Ratten, Kaninchen, Hunde, Affen und viele andere. Tierversuche werden nicht nur aus Tradition durchgeführt, sondern sind in vielen Fällen gesetzlich vorgeschrieben – etwa bei der Zulassung neuer Medikamente oder Chemikalien. Diese Vorgaben stammen oft noch aus den 1940er-Jahren und wurden nie kritisch auf ihre Aussagekraft für Mensch und Umwelt geprüft.

Tierversuche verursachen enormes Leid und liefern keine verlässlichen Vorhersagen für den Menschen:

  • Andere Tiere unterscheiden sich in relevanten Aspekten stark von Menschen, z. B. hinsichtlich Körperbau, Immun- und Hormonsystem, Lebensdauer und Stoffwechsel. Daher liefern Tierversuche keine übertragbaren Erkenntnisse und führen nicht zu dringend benötigten Durchbrüchen bei Therapien gegen menschliche Krankheiten wie Krebs oder Alzheimer.
  • Über 90 % der Medikamente, die im Tierversuch getestet wurden, versagen in klinischen Studien mit Menschen, weil sie nicht wirken oder starke Nebenwirkungen hervorrufen.
  • Substanzen, die im Tier gefährlich wirken, könnten beim Menschen nützlich sein – und umgekehrt.

👉 Tierversuche sind sowohl ein ethisches, als auch ein wissenschaftliches Problem.

Tierversuche in Münster

Auch in Münster gibt es zahlreiche Einrichtungen, in denen Tiere für Experimente leiden. Einige Beispiele:

Labcorp Drug Development (früher: Covance Laboratories GmbH)

  • Mit rund 2.000 Affen pro Jahr eines der größten Affenlabore Deutschlands. Hier werden Giftigkeitstests für die Chemikalien- und Arzneimittelprüfung durchgeführt. Die Versuche stammen aus den 1940er Jahren und sind wissenschaftlich höchst umstritten.
  • Schwangeren Tieren werden über Tage oder Wochen hinweg hochgiftige Substanzen verabreicht – oft mehrfach täglich.
  • Am Ende werden die Tiere i. d. R. getötet, um Organe und Gewebe zu untersuchen  
  • Undercover-Skandal: 2003 brachte eine verdeckte Recherche im Covance-Labor massive Tierquälerei ans Tageslicht. Die Aufnahmen wurden im ZDF-Format Frontal 21 ausgestrahlt. Millionen Menschen waren schockiert angesichts der unglaublichen Grausamkeit, mit der die Affen bei Covance behandelt wurden. Trotz öffentlicher Empörung stellte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen ein – Covance durfte weitermachen. Seitdem tut das Unternehmen noch mehr dafür, dass nicht an die Öffentlichkeit kommt, was genau in den Laboren passiert.

Universitätsklinikum Münster (UKM)

  • Zahlreiche Tierversuchsreihen in medizinischer Forschung
  • Beispiele:
  • Krebsversuche an Nacktmäusen: Tumorzellen werden injiziert oder implantiert, anschließend erhalten die Tiere Substanzen, um deren Wirkung auf die Tumoren zu testen.
  • Nierenversuche an Ratten: Tieren werden Nieren herausoperiert, um Nierenversagen zu simulieren.
  • Beatmungsversuche an Mäusen: Simulation von akutem Lungenversagen durch künstliche Beatmung und toxische Substanzen
  • Die meisten Tiere überleben die Versuchsreihen nicht – auch hier gilt: selbst wenn ein Tier die Experimente übersteht, wird es im Anschluss in den allermeisten Fällen getötet.

Westfälische Wilhelms-Universität (WWU)

  • Forschung an Mäusen, Ratten und Fischen im Bereich Biologie und Medizin
  • Schwerpunkt: Grundlagenforschung, d. h. Experimente ohne unmittelbaren Nutzen für Therapien
  • Beispiele: Eingriffe in Gehirnfunktionen, Untersuchungen zu Stoffwechselprozessen oder künstliche Krankheitsmodelle
  • Auch in der Lehre von Studierenden werden Tiere verwendet – häufig getötet, um Organe oder Gewebe zu untersuchen

Die Öffentlichkeit erfährt kaum etwas über die Tierversuche. Informationen werden bewusst zurückgehalten – auf Nachfrage geben Behörden und Institute nur das Nötigste preis, um schlechte Publicity zu vermeiden. Statt echter Innovation wird an überholten Methoden festgehalten – während moderne, tierversuchsfreie Verfahren längst existieren und weltweit boomen.

Der Ausweg: Forschung ohne Tierleid

Tierversuche sind veraltet, teuer und grausam. Es gibt längst Methoden, die verlässlicher, schneller und ethisch vertretbar sind und schon heute anstelle von Tierversuchen angewandt werden:

  • Zellkulturen / Organoide 

Dreidimensionale menschliche Zellkulturen wie Organoide imitieren Organstruktur und Funktion realistischer als Tiermodelle.

  • Organchip-Technologie / Multi-Organ-Chips

Multi-Organ-Chips simulieren die Funktion und das Zusammenspiel von bis zu 10 menschlichen Organen auf Mikro-Chips – mit besserer Vorhersagekraft als Tierversuche.

  • Computermodelle

Computerbasierte Verfahren prognostizieren Wirksamkeit und Giftigkeit von Substanzen zuverlässiger als Tierversuche. 

  • Bevölkerungs- und Patientenstudien

Epidemiologische Studien sowie Studien mit Patient:innen und gesunden Proband:innen liefern menschlich relevante Daten zu Lebensstil und Krankheiten – Erkenntnisse, die Tierversuche nicht liefern können. 

  • Microdosing

Winzige Dosen einer Testsubstanz, verabreicht an Freiwillige, ermöglichen mithilfe von hochsensitiven Verfahren die Messung von Aufnahme, Verteilung und Abbau im Körper – ganz ohne Risiko.

Diese Verfahren sind nicht nur tierversuchsfrei, sondern auch präziser, günstiger und zukunftsfähig. Münster könnte ein Vorreiter für echte Innovation sein – wenn die Stadt und ihre Institutionen den Mut hätten, den Ausstieg aus der Tierforschung einzuleiten.

Tierversuche sind weder notwendig noch zeitgemäß.
Sie sind ein Relikt der Vergangenheit. Es ist Zeit für Forschung, die Mensch und Tier gerecht wird.

Anlaufstellen, weitere Infos, Möglichkeiten sich zu engagieren:

Ärzte gegen Tierversuche e.V. Münster
ag-muenster@aerzte-gegen-tierversuche.de  

Menschen für Tierrechte – Bundesverband der Tierversuchsgegner e. V.
www.tierrechte.de

Animal Rights Watch e. V.
www.ariwa.org

Wer möchte, kann sich unseren Flyer zum Thema herunterladen:

Vorderseite / Rückseite