Bericht: Online-Schulung „Erste Hilfe für Igel“, 18. Oktober 2026

von Klaudia Maleska

Kaum eine Herbstdeko kommt ohne Igel aus, und so lugen einem zu dieser Jahreszeit die Nachbildungen dieser niedlichen Tiere mit meist fröhlichen Mienen überall entgegen. Ganz so fröhlich sieht die Realität der in Deutschland heimischen Braunbrustigel nicht aus. Sie stehen hauptursächlich wegen der Folgen des Klimawandels (Insektensterben) sowie Mangel an naturbelassenen Lebensräumen seit 2024 auf der Roten Liste. Wenn sich also die 100 Teilnehmer/innen unserer Schulung „Erste Hilfe für Igel“ demnächst beherzt eines Notfall-Igels annehmen, helfen sie nicht nur dem Individuum, sondern dem Fortbestand der Art.

Grundlagen

Zwei wesentliche Wissensaspekte stehen vor dem Erfolg: Woran erkennt man einen hilfsbedürftigen Igel, und was macht man dann möglichst rundum richtig? Diese Informationen gab uns Referentin Jenny Heinze vom Wildtier-Asyl Kreis Warendorf in ihrem Vortrag, der neben viel Fachkunde auch etliche praktische Alltagstipps für die Pflegesituation vermittelte.

Ein kurzer Einblick in die Igelbiologie diente als hilfreiche Basis, um später Abweichungen des Normalverhaltens bzw. -aussehens erkennen und einordnen zu können. Immer noch gilt es, hartnäckige Mythen auszumerzen. Nein, Igel fressen kein Obst, dürfen keine Milch haben und leben keinesfalls im Wald.

Wer – zunächst unabhängig vom Notfall – als Gartenbesitzer den Tieren ein artgerechtes Igelleben ermöglichen möchte, sorgt für ein naturnahes Umfeld, Totholzhaufen, Durchgänge am Zaun und lässt den Mähroboter nachts ruhen.Zusätzlich zeigte Jenny Heinze noch den Unterschied zwischen Futter- und Schlafhäusern und erklärte die richtige Zufütterung.

Notfälle

Im Anschluss lernten wir die Anzeichen von Notfällen kennen, wobei die alte Faustregel mit dem Mindestgewicht abhängig von dem Alter des Tieres ist und das Sichern immer im Zusammenhang „Gewicht – Temperatur – Gesamtzustand“ zu betrachten ist. Für den Igel bedeutet die Inobhutnahme großen Stress, zunächst einmal zuzufüttern und beobachten kann die bessere Alternative sein.

Wir lernten, wie überlebenswichtig das Entfernen von Fliegeneiern vor allen anderen Maßnahmen ist, wie man einen Igel vor der ersten Futtergabe wärmt, ihn richtig unterbringt, was Husten bedeutet und wann er zum Tierarzt muss. Zahlreiche Fotos unterstützten die Ausführungen zum Erkennen von Säuglingen, drei Wochen alten Babys und den nach sechs Wochen sechs Wochen selbstständigen Jungtieren.

Parasitenkunde und Selbstschutz, Päppelprobleme, Außenunterbringung und richtiges Auswildern – unsere Expertin gab uns einen gut verständlichen Überblick über alle wesentlichen Begleitthemen. Das Wichtigste: Bevor man im Zweifelsfall selbst experimentiert, lieber sofort Igel in eine Pflegestelle bringen oder zumindest Begleitung von Experten holen. Man kann in bester Absicht eine Menge falsch machen. Geduldig beantwortete die Fachfrau zum Schluss noch etliche Fragen aus der Teilnehmerrunde.

Herzlichen Dank an Jenny Heinze. Bei allem ernsten Appell zur Verantwortlichkeit vermittelte sie ihrem Auditorium nicht nur durch ihr Wissen, sondern auch durch Humor und Ruhe eine Menge Selbstvertrauen für das eigene Handeln.