Grundsätze

Worum es uns eigentlich geht… Positionierung des Nestwerk Münsterland e.V.
Das Nestwerk kooperiert mit vielen Tierschutzorganisationen in der Region des Münsterlandes. Ziel ist es, sich gegenseitig in vielerlei Hinsicht zu unterstützen, um zusammen mehr für den lokalen Tierschutz erreichen zu können. Gerade deswegen möchten wir uns auch konkret zu Tierschutzthemen äußern und unsere Meinung öffentlich machen. Unsere Auffassung wird vielleicht nicht jedem gefallen, aber das darf uns nicht davon abhalten, diese zu veröffentlichen. Nur wenn wir unsere Meinung auch öffentlich vertreten, kommt ein Diskussionsprozess zustande, der von uns auch ausdrücklich gewünscht ist.

1. Thema Zucht und Vermehrung

Wir lehnen jedwede Form von Hobbyzucht oder sogenannter Vermehrerzucht ab. Jeder Tierschützer der sich schon einmal genauer mit der Problematik beschäftigt hat, weiß wieviel Elend aus der Zucht von Heimtieren entstehen kann. Die Tierheime sind voll von ungewollten und oft gedankenlos „erzeugten“ Tieren die für wenig Geld verkauft oder sogar verschenkt werden.

Einige Hobbyzüchter sind auch der irrigen Annahme mit der Zucht Geld verdienen zu können. Dies mag dem einen oder anderen über eine begrenzte Zeit ja sogar gelingen, aber was ist wenn die Nachfrage ausbleibt und ein Überbestand an Tieren sich nicht vermarkten lässt? Diese Tiere werden dann ggf. verschenkt um sie loszuwerden, eine vernünftige Aufklärung der Übernehmer erfolgt nicht (z. B. werden viele Jungtiere zu früh vermittelt, was sich im späteren Leben des Tieres oft negativ auf die Entwicklung auswirkt). Notwendige tierärztliche Untersuchungen werden aus Kostengründen vermieden oder sogar ganz eingestellt, die erforderliche Hygiene wird vernachlässigt, manchmal ist sogar kein Geld mehr vorhanden um die Tiere zu ernähren. Klingt wie ein Horrorszenario? Ja, das ist es auch. Dennoch kommen solche Fälle nicht selten vor. Sehr oft leben die Muttertiere unter schlimmen Bedingungen und werden mehr oder weniger nur zum Zweck der Zucht am Leben erhalten. Zur Information sind einige tierärztliche Befunde aus sogenannten Hobbyzuchten beigefügt.

Und was machen die Erwerber wenn sie sich von ihren Tieren trennen möchten? Eine Rückgabe an den Züchter oder den Zoohandel ist in der Regel nicht möglich. Entweder wenden sich die abgabewilligen Besitzer dann direkt an die Tierheime, da sie mit der Haltung aus finanziellen, zeitlichen oder persönlichen Gründen überfordert sind. Oft sind die Abgeber dann der Überzeugung die nicht mehr gewollten Tiere müssten vom Tierheim aufgenommen werden, da das ja die primäre Aufgabe eines Tierheims ist. Dem ist nicht so. Sicherlich wird ein Tierheim einem Tier in Not im Rahmen der Möglichkeiten immer helfen wollen, aber dies ist allein aus Kapazitätsgründen schon nicht machbar. Es gibt zwar zum Glück immer mehr Menschen die sich gut informieren und einem 2nd Hand Tier gerne eine Chance geben, aber meist ist die Nachfrage in diesem Fall geringer als das Angebot. Das gilt insbesondere für alte, kranke oder verhaltensgestörte Tiere, die ja auch eine Chance auf ein neues Zuhause brauchen und eben schwerer zu vermitteln sind.

Wenn kein Tierheim die Tiere aufnehmen kann, werden diese, das Internet macht es möglich, oft über Kleinanzeigen sogar zum verschenken angeboten. Was danach mit ihnen passiert spielt offensichtlich keine Rolle. Wenn auch eine Abgabe über das Internet nicht fruchtet, bliebt oft nur noch ein Weg… Das Tier wird ausgesetzt und so seinem Schicksal überlassen. Gerne in einem zugeklebten Karton vor dem Tierheim abgestellt oder einfach irgendwo angebunden…fertig. Da keine emotionale Bindung zu den Tieren besteht, schwindet daher nach erfolgter „Leistung“ auch das Interesse. Die Verantwortung für eine artgerechte Tierhaltung mit den dazugehörigen Pflichten wird außer Acht gelassen.

Wir bitten Sie daher um folgendes:

I.    Informieren Sie sich genau über die Bedürfnisse der Tierart die sie sich anschaffen wollen und machen Sie sich auch Gedanken über ihre zeitlichen, räumlichen und finanziellen Kapazitäten. Viele Tiere werden über zehn Jahre alt und erzeugen bei Erkrankungen u. U. hohe Kosten. Wir beraten Sie gerne bei der Anschaffung und können Kontakte zu empfehlenswerten Tierheimen und Auffangstationen in der Region herstellen.

II.    Kaufen Sie keine Tiere bei Hobbyzüchtern, Vermehrern oder Zoomärkten. Sie tragen so dazu bei, unnötiges Tierleid zu vermeiden. Tierheime verfügen (leider) inzwischen über ein wirklich breites Angebot an allen gängigen Heimtierarten und sind auch bereit, Sie bei der Auswahl des „richtigen“ 2nd Hand Tieres zu unterstützen.

III.    Wenn Sie ein Tier unbedingt aus dem Internet erwerben möchten meiden Sie auch hier Züchter, die den Markt mit ihren Tieren überschwemmen. In jedem Fall sollten Sie sich bei dieser Art der Anschaffung mit der Tierart und deren Bedürfnissen gut auskennen um Krankheiten oder Verhaltensauffälligkeiten im Vorfeld erkennen zu können. Bestehen sie auf einen Schutzvertrag. Ein entsprechendes Muster können wir auf Wunsch zur Verfügung stellen.

IV.    Wenn Sie sich, aus welchen Gründen auch immer, von Ihren Tieren trennen möchten bzw. müssen, bestehen Sie bei der Abgabe ebenfalls auf einen Schutzvertrag und schauen Sie sich die Haltungsbedingungen bei den neuen Besitzern an. Geben Sie die Tiere nicht kostenlos ab und setzen eine angemessene Schutzgebühr fest. Auch in diesen Fällen können wir im Rahmen unserer Möglichkeiten helfen. Setzen Sie ihre Tiere in keinem Fall aus. Zum einen machen Sie sich damit strafbar. Zum anderen muss das Tier dann oft recht aufwendig eingefangen werden. Kleintiere und Exoten die nicht an ein Leben in der freien Natur gewöhnt sind werden oft schnell krank und sterben aufgrund von Unterkühlung und Futtermangel. Daher übernehmen Sie auch bei der Abgabe Verantwortung für ihr Tier.

Wie erkenne ich eine Hobby- bzw. Vermehrerzucht?

In der Regel werden die Tiere über das Internet auf diversen Kleinanzeigenportalen angeboten. Oft werden die Tiere zu geringen Preisen inseriert, dem potentiellen Interessenten wird manchmal sogar ein Verhandlungsspielraum für den Kaufpreis eingeräumt. Der Verkäufer wird wahrscheinlich keine großen Fragen zu den Haltungsbedingungen stellen oder ob Sie bereits Erfahrung mit der Tierart haben. Die Möglichkeit, das Tier vor Ort kennenzulernen, ist selten gegeben. Manchmal werden die Interessenten einfach in einen Raum geführt, wo sich das Tier befindet, ein Muttertier ist nicht vor Ort. Auch wird manchmal verlangt, sich z. B. an einem Rastplatz zu treffen, wo man das Tier lediglich übergibt. Auch mancher Zoofachhandel „produziert“ seine Tiere oft unter unwürdigen Bedingungen – zum Teil auch im Ausland. Die Tiere werden unter schlimmen Bedingungen gehalten und müssen lange Anreisen in engen Behältnissen ertragen, was enormen Stress bedeutet. Auch die Haltung im Markt selbst ist für die Tiere alles andere als Artgerecht. Einige Nager z. B. sind nachtaktiv, werden aber tagsüber oftmals mit Musik beschallt. Dies kann und darf nicht der Weg sein.

Bitte informieren Sie sich daher im Tierheim oder einer Auffangstation in Ihrer Region, denn dort werden Sie ausführlich beraten. Die dort zu vermittelnden Tiere sind gesundheitlich versorgt, kastriert, wenn notwendig geimpft und es gibt eine faire und nicht verhandelbare Schutzgebühr (welche jedoch nie die für das Tierheim entstandenen Kosten deckt).

Dirk Heidotting – Für den Vorstand des Nestwerk Münsterland e.V. (Juli 2016)

2. Massentierhaltung, Ausbeutung von Tieren und Ernährung

Das Nestwerk ist kein veganer Tierschutzverein, lehnt aber Massentierhaltung und ihre Folgen in jeder Form ab. Wir halten es für sinnvoll, wenn sich die Menschen mehr mit ihrer Ernährung auseinander setzen und wenigstens versuchen ihren Fleischkonsum kritisch zu hinterfragen, diesen im Besten Fall zu reduzieren und Alternativen zu finden. Die Ausbeutung von Tieren und deren Haltung als „Ware“ ohne auf deren elementarste Bedürfnisse einzugehen, nur um deren Fleisch und weitere Produkte möglichst günstig anbieten zu können, kann nicht im Sinn eines Menschen sein, der im Tierschutz aktiv ist. Warum dies so ist, liegt auf der Hand. Das Schreddern von männlichen Eintagsküken, da diese nicht wirtschaftlich verwertet werden können, die Kastration von Ferkeln ohne Betäubung bei einem Alter von unter sieben Tagen, das Abtrennen von Kälbern direkt nach der Geburt, damit die Mutterkuh „unsere Milch“ sichert, sind nur einige Beispiele. Das Nestwerk kooperiert daher auch mit dem Verein Münster isst Veggie und ist Partner im Bündnis Stopfleberfreies Münsterland. Dennoch halten wir es für wichtig, die Menschen selbst entscheiden zu lassen wie sie leben möchten und missionieren nicht.

Weiterführende Informationen zu dem Thema findet ihr u. a. unter folgenden Links:

http://www.donnerstag-veggietag.de/hintergrund/tierschutz.html#c9

http://www.v-heft.de/

http://www.sagneinzumilch.de/hintergrund.php

https://albert-schweitzer-stiftung.de

Dirk Heidotting – Für den Vorstand des Nestwerk Münsterland e.V. (Juli 2017)

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